Little Angel~*°

*~*And the rain was running along her skin *~*
Verfasst: 25.Mai'06

 

Meine dritte One Shot

 

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Die Regentropfen prasseln auf sie und ihre Haare sind inzwischen so nass, dass sie tropfend um ihr Gesicht fallen. Ihre Kleidung ist von der Nässe durchzogen, sodass sie an ihrem Körper klebt.
Immer leiser schallt das Geräusch einer Sirene zu ihr und die Schreie der Menschen. Ihre Beine rennen immer schneller, sie tragen sie irgendwohin. Sie weiß nicht wohin, es hat alles keinen Sinn mehr. Er ist weg. Er ist fort. Er ist gegangen. Er wird nie wieder kommen. Er hat sie alleine gelassen.
ER ist tot.
Blind vor Schmerz und Trauer, gequält von diesem Gedanken, verfolgt von der Sehnsucht und stumm vor Fassungslosigkeit. So taumelt sie durch die dunkle Nacht, in der kein einziger Stern funkelt. Jede einzelne Erinnerung an ihn, ist wie ein Messerstich in ihr Herz und ihre Gedanken sind voll von ihm.
Man hört ihr Keuchen in der Stille der Nacht, ihre Gesichtszüge sind gequält und man kann ihre Tränen nicht von den Tropfen des Regens, die an ihrem Gesicht herunter rinnen unterscheiden. Immer weiter in die Dunkelheit flüchtet sie, denn sie will keine gespielt mitleidige Blicke sehen, sie will von dem grellen Leuchten des Krankenwagens nicht mehr geblendet werden. Ihre Beine tragen sie zu dem Ort, an dem alles begann. An dem der Streit begann, der an allem Schuld ist.
Äste und Blätter peitschen gegen ihre Beine und reißen ihre Haut auf. Sie spürt keinen Schmerz, nur die tausend Messerstiche in ihrem Körper. So läuft sie, gehetzt von ihren eigenen Gedanken und Erinnerungen. Mit nur diesem einen Ziel, zu dem Ort zu kommen, den Niemand kennt. Außer ihr und ihm.
Sie weiß, sie hat wenig Zeit und je langsamer sie wird, desto schneller verrinnt die Zeit. Sie werden sie suchen, die die nicht verstehen. Werden sie verfolgen und zurück bringen. Zurück zu IHNEN, die sie so hasst. Zurück zu denen, die nicht verstehen, zurück zu denen, die sie demütigen, die versuchen sie mit jedem Satz den sie aussprechen zu vergiften. Zu denen, die mit bösen Zungen über sie reden, die sie verachten und triezen. Die sie bespucken und ihr wehtun.
Aber da wird sie nie mehr hingehen, eher würde sie sterben.

 

Ihr Keuchen wird immer lauter und ihre Schritte langsamer. Aber sie hat es gleich geschafft. Sie kann schon den kleinen See sehen, an dem sie die glücklichsten Stunden ihres Lebens verbrachte. An dem alles begann. Dort, da vorne ist der Platz an dem sie zum ersten Mal das Gefühl kennen lernte, was sich Liebe nennt.
Erschöpft wirft sie sich in das Gras, das von kleinen Schlammlachen durchzogen ist. Ihre Kleidung wird schmutzig und der Dreck klebt überall. Aber ihr ist es egal. Es interessiert sie nicht, es hat aufgehört sie zu interessieren.
Wie kann jetzt noch etwas in ihrem Leben wichtig sein, wenn alles seinen Sinn verloren hat?  Er war es der ihr das Lachen beibrachte, er war es der ihr die Schönheit des Lebens zeigte, er war es der ihr die Angst nahm, dem sie sich völlig geöffnet hatte, er war es der ihren Körper singen lies, sobald sie nur an ihn dachte, der ihr den Sinn des Lebens zurück gebracht hatte.
Er war es gewesen.
Und er hatte all dies, was er sie lange gelehrt hatte, was er ihr gezeigt hatte und was er in ihr entfacht hatte, mit seinem Tod wieder aus ihrem Leben genommen.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~* Flashback *~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~

 

,,Ich habe lange nachgedacht.“ Seine Augen senkten sich, sie schaute ihn erwartungsvoll an. Sie hatte gelernt mit den Augen die Gefühle anderer Menschen zu erahnen.
,,Du kannst nicht mehr hier bleiben, ich meine du musst doch ein Zuhause haben.“ Sie lächelte, und nickte mit dem Kopf zu der kleinen Hütte.
,,Ja ich weiß, du meinst das ist jetzt dein Zuhause aber dort kannst du doch nicht für immer bleiben.“ Sie neigte den Kopf und zog ihre Augenbrauen zusammen, ihr Gesicht strahlte Verständnislosigkeit aus.
,,Du fragst mich warum nicht?“ Sie bestätigte es mit einem kleinen Nicken. ,,Hör zu, das kann nicht ewig so weiter gehen, ich weiß du wünscht dir das, aber selbst wenn du so weiter machst, irgendwann wird dich jemand finden!“ Als er zu Ende geredet hatte, herrschte Stille. Aber er war sowieso immer nur der Einigste der zwei, der etwas sagte. Sie konnte keine Laute zu Worten formen, konnte ihre Zunge nicht bewegen um sich mit anderen zu verständigen. Denn sie konnte nicht sprechen, von Anfang an. Hören konnte sie gut, aber das Sprechen hatte sie nie lernen können. Es störte sie nicht groß, sie war es gewohnt und konnte sich auch so verständigen.
Sie stand mit ihm auf der kleinen Lichtung, dort wo er sie eingeschüchtert und hilflos gefunden, und ihr dann geholfen hatte.
,,Ich habe mit ihnen geredet.“
Ihre Augen weiteten sich, meinte er SIE, sie die sie so hasste? ,,Ja, mit ihnen, du weißt schon mit wem.“ Sie warf ihm einen angstvollen Blick zu. ,,SIE waren froh! SIE haben dich vermisst, SIE werden dich wieder aufnehmen.“
Heftig schüttelte sie den Kopf. Lüge! SIE lügen, SIE hatten sie bestimmt nicht vermisst.
Nein. Nein. Nein. Nein. Tu mir das nicht an, flehte sie.
,,Es tut mir Leid, aber es wird das Beste sein.“
Er wusste ja nicht, er hatte ja keine Ahnung. Sie schloss ihre Augen und richtete ihren Kopf Richtung Himmel. Er hatte alles zerstört, dabei hatte sie gedacht, dass er sie mag. Dass er sie liebt. Aber wenn er sie nicht mehr um sich haben wollte, sollte er sie einfach in Ruhe lassen! Aber nicht SIE rufen...nicht die, vor denen sie solche Angst hatte, dass auch nur ein Gedanke an sie, ihr Herz und ihre Kehle zuschnürte.
Ihre Augen funkelten ihn an, sie wollte dass er wegging, er hatte sie verraten. Sie belogen und betrogen. ,,Aber es ist schon so spät, wie soll ich jetzt noch nach Hause kommen? Außerdem habe ich gesagt, dass ich die Nacht über bei einem Freund schlafe. Wieso willst du dass ich gehe?! Weil ich IHNEN bescheid gesagt habe? Weil ich IHNEN gesagt habe, dass ich weiß wo du bist?“ Er hatte ihren zornigen Blick sofort verstanden, hatte verstanden das sie ihn nicht mehr bei sich haben wollte.
Langsam nickte sie. Er sollte weg. Weg! WEG!!!
Sie drehte sich um und ließ ihn stehen.

 

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Lange hatte sie nach diesem Streit in der Hütte alleine gesessen und nachgedacht. Ja, es war ein Streit gewesen. Er wurde nur nicht in Worten ausgetragen, die Worte die er gesprochen hatte, waren nur ein winziger Teil dieses Streites gewesen.
Er hatte sie doch als Einziger verstanden und nun war er auch weg. Sie war böse auf sich gewesen, weil sie ihn weggeschickt hatte und auch noch mitten in der Nacht.
Er meinte es doch nur gut und so entschloss sie sich ihm zu folgen und ihn zurück zuholen. Es war schon dunkel gewesen, aber sie brauchte kein Licht um sich zurechtzufinden. -Aber er-~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~

 

Sie hatte ihn auch fast eingeholt und ihn gesehen, wie er über die Straße laufen wollte. Hatte das Auto gesehen, dass er nicht gesehen hatte. Sie wollte ihn warnen, aber wie denn, wenn man keine Stimme zum rufen hatte?
Sie hatte die quietschenden Reifen des Autos und seinen Schrei gehört. Und dann versperrte das grelle Licht der Scheinwerfer ihr die Sicht. Ihre Augen zugekniffen, war sie losgerannt. Zum Auto, dort wo er lag.

 

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Ihre Knie waren eingeknickt und sie war neben ihn auf die kalte Straße gesunken, hatte ihre Hand auf seinen warmen Oberkörper gelegt, der sich sehr, sehr langsam hob.
Ein letztes Mal schaute er in ihre Augen, dass es ihr einen Schauer über den Rücken jagte. Als er ihre Tränen gesehen hatte, hatte seine Hand sich zitternd mit letzter Kraft auf ihre gelegt.
Es ist gut. Ich verzeihe dir alles, aber lass mich nicht alleine. Sprachen ihre Blicke, leicht hatte sie ihm das Haar zur Seite gestrichen, er war zu schwach gewesen, um ihr noch was zu sagen. Sie hatte nicht gesehen, wie viel Blut er wirklich verloren hatte, aber es war so viel gewesen. Bemerkte nichts mehr um sich herum, saß einfach nur bei ihm bis sein Atem starb.
Und dann  war sie gelaufen. Immer schneller, immer schneller und schließlich nur noch gerannt.

 

~*~*~*~*~*~*~* Flashback Ende*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~

 

Ihre Tränen fließen unaufhaltsam über ihr zartes Gesicht, tropfen von ihren Wangen auf den Boden, wo sie schließlich versickern.
Sie muss weg hier, bevor SIE sie finden. Bevor SIE sie wieder zurückhohlen und alles wie früher wird.

 

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Noch in der Selben Nacht kommen SIE, durchsuchen alles. Aber sie ist schon längst weg, denn nie wieder wird sie zu IHNEN zurückkommen. Das hat sie sich geschworen.  SIE finden nur die kleine Hütte, und den Tisch, auf dem ein Blatt liegt.

 

Bleich,
bleich war dein Gesicht, als ich es das letzte Mal vor mir sah.

Matt,
matt war dein letzter Blick, den du mir zuwarfst, bevor sich deine Augen für immer schlossen.

Weiß,
weiß waren deine Lippen, als sie zitternd die letzten Worte an mich formten.

Kalt,
kalt waren deine Finger, als sie sich das letzte Mal nach mir streckten.

Angst,
voller Angst waren die Züge auf deinem Gesicht, als du dort lagst.

Abwesend
abwesend warst du, als ich dich anflehte nicht zu gehen.

Rot,
rot war das Blut, das dir über die Stirn lief.

Nass,
nass waren meine Tränen, die langsam auf dein Gesicht tropften.

Leise,
leise war deine Stimme, als sie aufgab mit mir zu reden.

Hoffnungslos,
hoffnungslos warst du, als ich dich dort liegen sah.

Meine letzten Gedanken bevor ich diesen Ort verließ, bitte tut mir einen Gefallen und lasst mich gehen! Oder wollt ihr mir auch noch das Letzte nehmen? Ich hoffe ihr seid jetzt endlich zufrieden! Ihr habt mich gekriegt, nämlich dort wo ich dachte ich hätte es so gut vor euch versteckt. Ihr habt mir mein Herz zertrümmert, aber lasst mir wenigstens mein Leben. Ich will nur, dass ihr wisst, dass ich euch hasse. Ich hasse euch wie sonst keiner, ich wünschte ihr hättet dort auf der Straße gelegen, denn ihr habt es verdient! Ich hasse euch so, dass man es nicht in Worte ausdrücken kann.
Aber ihr werdet mich nicht kriegen, ihr werdet einen Schatten jagen, wenn ihr es versucht. Lasst mich gehen!

Ende

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